Samstag, 18. März 2017

Alexandra Reinwarth - Am Arsch vorbei geht auch ein Weg

"Es gibt Momente im Leben, in denen einem klar wird, dass man etwas ändern muss. Der Moment, als Alexandra Reinwarth ihre nervige Freundin Kathrin mit einem herzlichen >>Fick dich<< zum Teufel schickte, war so einer. Das Leben war schöner ohne sie - und wie viel schöner könnte es erst sein, wenn man generell damit aufhörte, Dinge zu tun, die man nicht will, mit Leuten, die man nicht mag, um zu bekommen, was man nicht braucht! Wer ebenfalls der Meinung ist, das Leben könnte etwas mehr Freiheit, Muße, Eigenbestimmung und Schokolade vertragen und dafür weniger Kathrins, WhatsApp-Gruppen und Weihnachtsfeiern, der liegt mit diesem Buch goldrichtig.

Lass dich von Alexandra Reinwarth inspirieren, wie man sich Leute, Dinge und Umstände am Arsch vorbei gehen lässt, aber trotzdem nicht zum Arschloch mutiert. Und lerne von ihr, wie kleine Entscheidungen einen großen Effekt auf die Lebensqualität haben können. Ganz einfach."


Dieses Buch mit dem netten Titel habe ich zu Weihnachten von einer guten Freundin geschenkt bekommen. Erst hatte Sie es eigentlich für sich selbst gekauft, aber am Schluss war Sie der Meinung, dass ich dieses Buch dringender nötig hätte... 

Das Exemplar ist in verschiedene Kategorien (z. B. die eigene Person, Familie, Beruf) aufgespaltet, in denen dem Leser aufgezeigt werden soll, in welchen Situationen man grundsätzlich dem Gefallen, der Bitte oder den alteingesessenen Sitten und Bräuchen nachgibt, obwohl man gar nicht will - aber es von der Gesellschaft so verlangt wird, oder?

Begonnen wird mit dem kritischsten Punkt - mit der eigenen Person. Diese wird automatisch als Erste beurteilt und in Frage gestellt. Hier will die Autorin gerne anhand von klassischen Klischees und Frauenbildern aufräumen, so zum Beispiel auch mit der sagenumwobenen >>Bikinifigur<<. Der Graus einer jeden Frau, der permanente Zwang etwas an seiner Figur ändern zu müssen, weil man ja nicht so aussieht wie die dürren, abgemagerten Topmodels und der absolute Neid, dass Männer dieses Problem ganz famos sich am Arsch vorbei gehen lassen können. Ja, total schlimm, oder wer kennt das von euch nicht?

So werden die aus ihrer Sicht gezeigten Situationen herausgefiltert, in denen Alexandra sich nicht wohl fühlt und ihr einfach auffällt, wie sie sich eigentlich verhält - ein bisschen dämlich (die liebenswürdige Art und Weise davon), und das gibt sie in dem Buch auch ab und an zu. Oder eben auch Szenarien, in denen die Umwelt von einem erwartet sich entsprechend zu verhalten, weil man sonst rassistisch wäre, oder nicht einfühlsam oder oder oder...

In einem der Kapitel beschreibt Sie, wie Sie einem Arbeitskollegen einen Korb bezüglich dem bitte noch zu Korrektur zu lesenden Artikel gibt. Dieser bleibt hartnäckig und will Sie mit allen Mitteln ("dauert doch nicht so lange...", Kopf zur Seite neigen und Hundeblick aufsetzen!) dazu bringen, sich doch noch den Artikel durchzulesen. Allerdings bleibt Sie standhaft und verneint es erneut. Und so ertappt Sie sich dabei, nicht mal Böse auf den Kollegen zu sein, weil Sie diesen Bitten sonst immer nachgekommen war und ja selber Schuld an der Missere ist.

Es werden auch eher nur die größeren und dominanteren Themen von der eigenen Person, über Freunde und Bekannte, hinweg zur Familie, Beruf und später den Eltern & Kindern bis schlussendlich der Liebe (dem Partner/der Partnerin) abgewickelt und aufgezeigt, wie man hier gewisse Situationen sich gepflegt am Allerwertesten vorbei gehen lassen kann bzw. sollte. Die Autorin zeigt auch mit vielen ihrer eigenen Situationen auf, dass auch obwohl man nicht an der Interaktion mit anderen teilgenommen hat, es einem keiner Böse nehmen muss, sondern auch ab und an dafür Respekt oder Neid aufkommt (siehe Kapitel sich gegen Geburtstagsgeschenk-Spenden für Kollegen stellen).


FAZIT:
Was das Buch dann wirklich interessant gemacht hat zu lesen, waren dann schließlich auch die wirklich zum Teil urkomischen Szenen (wurde echt schief in der S-Bahn angsehen...), in die sie sich verstrickt hatte und versuchte wieder raus zu kommen. Oder sie dann bemerkte, wie sie sich verbogen hatte - für nichts und wieder nichts, wie es sich dann später zeigen sollte. Es deutet einfach die absolute Menschlichkeit an jeder einzelnen Person von uns, dass wir uns nicht gegenseitig verletzen wollen, aber es manchmal müssen, weil wir sonst damit nicht so ganz klar kommen. Es ist witzig geschrieben, man kann sich schnell in viele Situationen reinfühlen und hat definitiv ab und an ein Lachen im Gesicht. Daher: Danke schön für das Buch <3

Montag, 6. Februar 2017

Klüpfel&Kobr - Rauhnacht (Kluftingers V. Fall)

"Eigentlich sollte es für die Kluftingers ein erholsamer Kurzurlaub werden, auch wenn das Ehepaar Langhammer mit von der Partie ist: ein Winterwochenende in einem schönen Allgäuer Berghotel samt einem Live-Kriminalspiel. Doch aus dem Spiel wird blutiger Ernst, als ein Hotelgast unfreiwillig das Zeitliche segnet. Kluftinger steht vor einem Rätsel: Die Leiche befindet sich in einem von innen verschlossenen Raum. Und über Nacht löst ein Schneesturm höchste Lawinenwarnstufe aus und schneidet das Hotel von der Außenwelt ab..."


Kluftinger ist zwar ein Familienmensch und er genießt es in vollen Zügen seinen Stress von der Arbeit abstreifen zu können, spätestens wenn er die Türschwelle übertreten hat, aber so Feiertage - gerade die etlichen um Weihnachten herum - sind ihm dann doch etwas zu viel. Daher wird in üblicher "Kluftinger-Manier" über seine Gedankengänge und Empfindungen geschrieben, wie der Kommissar mit Ehefrau und den geliebten Langhammers auf dem Berghotel ankommen. Dort angelangt, werden diese herzlichst von der Hotel-Chefin persönlich empfangen, da sie nur eine auserwählte Gruppe an diesem Wochenende zu dem Live-Kriminalspiel eingeladen hatte. So wurden Sie mit allen Gegebenheiten für das Wochenende vertraut gemacht (u. a. die Kostüme zu dem Spiel, Treffpunkt am Abend für den Beginn, Frühstück) und auf das Zimmer geleitet, dort wo sie sich kurz ausruhen und umziehen sollten.

Nachdem die Koffer halb ausgepackt waren, die Zimmer - auch das von Dr. Langhammer - inspiziert wurden, gingen die beiden Pärchen in die Lobby zurück, dort wo Sie auf die anderen verkleideten Gäste trafen. Als sich alle "Spieler", bis auf einen, dort eingefunden hatten, wurde das Kriminalspiel von der Hotel-Chefin eröffnet. Als man den nicht erschienen Gast holen lassen wollte, wurde eine verschlossene Hoteltüre festgestellt. So eilte der pflichtbewusste Inspektor Fr. König (Hotel-Chefin) zur Hilfe und stieß - so wie ihn gebeten wurde - die Türe auf seine unkonventionelle Art und Weise auf. Die Türe nun offen stehend, wurde der Blick direkt auf die Leiche des vermissten Hotelgastes gerichtet. Und so nehmen die Ermittlungen am Folgetag ihren Lauf...

Durch die wortgewandte Art und teilweise unpässlichen Termine des Kommissars konnte es sich - glücklicherweise für ihn - immer arrangieren, dass dieser nicht oft in den Urlaub fahren musste. Dies rächte sich allerdings bereits gleich nach dem tragischen Abend zuvor, da es zum Frühstück ein Buffet gab und Herr Kluftinger nicht die üblichen Sitten kannte und hier und dort in ein Fettnäpfchen tappte. Als er sich nach der Stärkung an die Arbeit machen wollte, mussten sich erst mal Gedanken gemacht werden - WIE?! Er hatte ja keine Spurensicherung, keinen Maier mit seinem Computerwissen oder einen der anderen beiden Kollegen für Befragungen. Durch das Schneegestöber, welches sich tagsüber immer verschlimmerte, konnte man keinen Kontakt zur Außenwelt aufbauen - weder per Telefon, noch E-Mail, noch per Fax. Somit mussten die Mordermittlungen durch ihn höchstpersönlich und mit allen Aufgabenteilen selbstständig übernommen werden, wäre da nicht der hilfsbereite Dr. Langhammer. So versuchte sich das so ungleiche Duo zurechtzufinden und einzuspielen, was auf sehr nervige, aber lustige Art und Weise beschrieben wird.


FAZIT:
Ich finde das Buch eines der besten Bücher der Kluftinger-Reihe, da dieses für mich von der ersten bis zur letzten Seite super spannend geschrieben wurde. Das Live-Kriminalspiel wurde auch sehr gut in den eigentlichen Mord mit eingebunden und man konnte nicht zu vorschnell erahnen wer der Mörder hätte sein können. Vielleicht deswegen oder auch gerade deswegen finde ich das Buch wirklich gelungen, da die Spuren zu vielen potenziellen Mördern führte, aber keine genaue Aussage getroffen wurde und der Leser etwas mehr im Dunkeln tastete wie sonst. Es sind auch nicht zu viele peinliche "Kluftinger-Aktionen" vorhanden, wie in anderen Büchern - ihr wisst schon was ich meine... Daher ist dieses Buch wirklich sehr empfehlenswert.